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Promotion

Seit Ende 2006 bin ich externer Doktorand am Lehrstuhl für Gründungsmanagement von Prof. Dr. Reinhard Schulte an der Leuphana Universität Lünebug.

Meine Dissertationsschrift habe ich im September 2011 beim Dekan der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der Leuphana Universität eingereicht. Aktuell läuft das Begutachtungsverfahren.

Kooperationsrisiken in multilateralen Venture-Capital-Syndikaten: Eine kausalanalytische Betrachung

Mit der Syndizierung von Venture Capital (VC) widmet sich meine Dissertation einer Kooperationsform, die zu einem allgegenwärtigen Phänomen in der Finanzierungspraxis (junger) innovativer Wachstumsunternehmen geworden ist. Dabei trifft eine Gruppe von Investoren (Syndikat) eine gemeinsame Investitionsentscheidung unter Unsicherheit. Die zukünftigen Erlöse aus der Investition werden von den Syndikatsmitgliedern gemeinsam untereinander aufgeteilt.

Letztendlich werden syndizierte VC-Finanzierungen als Chance auf Realisation eines höheren Investmenterfolgs gesehen. Trotz der Vielzahl an Vorteilen ist die Syndizierung eine äußerst sensible Konstellation, welche im hohen Maße durch gegenseitiges Vertrauen, Respekt, Teamfähigkeit und Erfahrung der beteiligten Investoren charakterisiert ist. Eine solche in sich geschlossene Beziehung gilt als Basis für kooperative Lösungen künftiger Herausforderungen – dies gilt speziell bei Problemsituationen.

Trotz dieser Erkenntnis sind die mit einer syndizierten VC-Finanzierung einhergehenden Probleme und das Risiko, dass diese eintreten, von Forschungsarbeiten bislang nur vereinzelt betrachtet worden. Genau hier setzt meine Arbeit an. Sie befasst sich mit der Fragestellung, wie sichergestellt werden kann, dass sich die in einem VC-Syndikat zusammenge-fundenen Investoren für die Dauer des syndizierten Investments kooperativ verhalten. Es wird eine Risikoklasse betrachtet, die sich direkt aus der Kooperation mit anderen Individuen ergibt. Sie beschreibt das Risiko, dass sich Mit-Investoren absichtlich anders verhalten als dies explizit oder implizit vereinbart wurde, so dass in Konsequenz daraus nicht mehr alle Syndikatsmitglieder ihre Ziele im intendierten Ausmaß erreichen. Zum Kooperations-risiko zählen opportunistisches und konfliktäres Verhalten sowie der (ungeplante) Austritt aus dem Syndikat.

Eine besondere Stellung nehmen dabei Konstellationen mit mehr als zwei Investoren ein. Anders als in einer Dyade weisen diese multi-lateralen Konstellationen Eigenschaften auf, welche die Relevanz von Verhaltensrisiken verstärken. Denn während sich unkooperatives Verhalten eines Mit-Investors in einem dyadischen Syndikat noch eindeutig zuordnen lässt, ist dies in einem multilateralen Syndikat stark erschwert oder unmöglich. Entsprechend lautet die zentrale Forschungsfrage der Arbeit: Wie können die einer Syndizierung inhärenten Kooperationsrisiken in multilateralen VC-Syndikaten beherrscht werden?

Zur Beantwortung dieser Frage bedient sich die Arbeit der Kausalanalyse. Dabei handelt es sich um ein in den Sozialwissenschaften gebräuchliches Analyseinstrument für komplexe Ursache-Wirkungsbeziehungen mit latenten, das heißt nicht direkt messbaren, Variablen. Mittels der Anwendung dieser Methode wird ein zuvor synthetisiertes Erklärungsmodell zum Wirkungsgefüge von Kooperationsrisiken in multilateralen VC-Syndikaten empirisch geprüft. Das Erklärungsmodell ist das Ergebnis einer theoriebasierten Diskussion etablierter Theorien, die als Basis zur Beantwortung der zentralen Forschungsfrage dienen können.

Im Zuge der empirischen Prüfung wurden die dem Erklärungsmodell zugrunde liegenden Hypothesen operationalisiert und im Rahmen einer Datenerhebung mittels Online-Befragung unter VC-Gesellschaften mit Sitz oder einer Niederlassung in Deutschland und anschließender Datenanalyse überprüft. An der Online-Befragung nahmen 35 VC-Gesellschaften teil, die Informationen zu 58 syndizierten Investments lieferten. Die Datenanalyse wurde mit dem varianzanalytischen Ansatz der Kausalanalyse (PLS-Analyse) durchgeführt. Im Ergebnis haben 26 der 35 Hypothesen die empirische Prüfung erfolgreich bestanden.

Das theoretisch fundierte und empirisch geprüfte Erklärungsmodell stellt den wesentlichen Erkenntnisfortschritt der Arbeit dar. Zu betonen ist, dass das Erklärungsmodell Zusammen-hänge unterstellt, die in der Literatur bereits für den Kontext von multilateralen Kooperations-formen vermutet, aber in dieser Konstellation noch nicht empirisch untersucht worden sind. Dies gilt beispielsweise für die positive Wirkung von Transparenz und Kommunikation.

Aufbauend auf dem Erklärungsmodell werden für die Analyse und Steuerung von Kooperati-onsrisiken in multilateralen VC-Syndikaten konkrete Instrumente vorgestellt. So wird zur Risikobewertung ein Scoringmodell entwickelt, das die typische Kritik an diesen Modellen überwindet. Zur Unterstützung der Risikosteuerung wird erörtert, wie auf Basis des Erklärungsmodells adäquate Risikosteuerungsmaß-nahmen ausgewählt und beurteilt werden
können. Die Funktionsweise dieses Instruments wird beispielhaft an zwei konkreten Steue-rungsmaßnahmen demonstriert.